Perfekter GipfelApfelMoment auf dem Mont Blanc du Tacul

Vor fast genau einem Jahr standen wir bei traumhaftem Wetter auf dem Mont Blanc und blickten zurück auf die Überschreitung des Taculs und des Maudits. Diesen Sommer haben wir uns den Gipfel des Taculs als Tagestour vorgenommen.

Pünktlich um 6.30 Uhr nehmen wir die erste Gondel in Chamonix hinauf zur Aguille du Midi. Innerhalb von 20 Minuten wird man hier regelrecht von ca. 1000 m auf 3850 m hinaufkatapultiert. Für die Tagestouristen, von denen viele schon hier mit der Höhe zu kämpfen haben, ist auf der Aussichtsplattform Endstation. Als Bergsteiger durchläuft man ein Tunnelsystem, das in einer tropfenden Eishöhle endet, durch dessen Ausgang schon stimmungsvoll die Morgensonne hereinleuchtet. Es beginnt zu kribbeln, denn jetzt heißt es Steigeisen anlegen, anseilen und hinaus auf den ausgesetzten Grat, der einen hinab zum Vallee Blanche führt. Der schneereiche Winter hat für optimale Bedingungen gesorgt, so dass der Abstieg vorbei an der Cosmique Hütte ins 3500 m hoch gelegene Col du Midi problemlos verläuft. Bei strahlendem Sonnenschein lassen wir die Hütte rechts liegen, passieren einige Biwaklager und steuern geradewegs auf den vor uns liegenden Schneekoloss, den Mont Blanc du Tacul, zu. Da wir keinerlei Akklimatisierung durchlaufen haben, bewegen wir uns sehr langsam vorwärts, um uns auf dem steilen Anstieg nicht zu überanstrengen. Aber auch dieser Abschnitt verläuft im Vergleich zum Vorjahr unproblematisch. Eine riesige Gletscherspalte auf halber Höhe ist mit einer angebrachten Leiter zu bewältigen, ansonsten verläuft die Spur zwar sehr steil und direkt, aber ein zweiter Pickel wird nicht benötigt. Am Sattel angekommen machen wir eine kurze Rast und genießen den beeindruckenden Blick auf den Maudit. Der Weg führt nun links der Schulter entlang weiter und der Gipfel des Mont Blanc du Tacul ist schon in Sichtweite. Hinüber zum Aufschwung geht es gemütlich über ein Plateau und einen kurzen Firngrat ins steile, kombinierte Gelände. Hier mussten wir nun einige Minuten warten, da uns auf der engen Gipfelpassage gleich mehrere Seilschaften, die große Probleme beim Klettern hatten, entgegenkamen. Das Warten hat sich aber gelohnt, denn nach einer kurzen Kletterei stehen wir alleine auf dem Gipfel und können den atemberaubenden Blick auf das gesamte Mont Blanc Massiv genießen. Das ist wirklich ein perfekter GipfelApfelMoment!

Der Abstieg wurde nochmal etwas spannender. Es hingen wieder mehrere Seilschaften im Gipfelaufstieg und so entschieden wir auf den Rat eines Bergführers hin, den Normalweg über eine steile Nordostflanke zu umgehen. Wir stiegen rückwärts die noch ungespurte Flanke hinunter und querten dann unter einem großen Felsen Richtung Westen, um wieder am Einstieg der Kletterpassage zu landen. So kamen unsere zweiten Pickel am heutigen Tag doch noch zum Einsatz und wir machten  uns bei steigenden Temperaturen auf den Rückweg zur Aguille du Midi.

 

Sven Langjahr

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